Vor einigen Tagen berichtete ich über einen Vergleich von Programmen, die dazu dienen (können) PDFs und Paper für den wissenschaftlichen Gebrauch zu archivieren. Übersehen und einen Tag später entdeckte ich ein noch nicht erwähntes Programm, welches gleichzeitig auch Anmerkungen in PDFs ermöglichen soll. Skim ist von den Machern von BibDesk und kommt genauso Frei daher wie mein (noch?) persönlicher Favorit unter den PDF-Verwaltungsprogrammen.

Es folgt ein kleiner Testbericht über Skim.

Skim liegt aktuell in der Version 0.2 vor, steckt also noch in den Kinderschuhen. Da hier die MacherInnen von BibDesk am Werke sind, zweifele ich aber nicht an einer langfristigen und erfolgreichen Weiterentwicklung des Tools. Man kann das OpenSource-Programm bei Sourceforge beziehen.

Die Oberfläche von Skim spricht (noch?) Englisch und ist stark an das Outfit der Mac-eigenen Vorschau angelehnt. Das Programm scheint mir etwas agiler zu sein als das integrierte Mac-Pendant: Es öffnet klaglos und fix sowohl ein zweiseitiges als auch ein über 900 Seiten großes PDF, bei dem allerdings die Suchfunktion kurzfristig das Glücksrad zeigt.

Augenfreundlich werden die Suchergebnisse nicht nur markiert, sondern auch rot eingekreist, sodass das Suchwort praktisch nicht mehr zu übersehen ist.

Skim: Suchwortmarkierung

Die Testnotizen sind schneller verarbeitet als in Apples Vorschau und alle Anmerkungen kann man in einer rechten Notizspalte mit ihrem Text und der zugehörigen Seitenzahl anzeigen lassen.

Skim: Notizübersicht

Skim bietet verschiedene Arten von Notizen: Verankerte (sehr praktisch!) sowie nicht verankerte Notizen. Verankerte Anmerkungen werden als kleines gelbes Icon im Dokument selbst angezeigt und können bewegt werden. Per Doppelklick öffnet sich die Notiz in einem kleinen Fenster.

Skim: Erstellen einer verankerten Notiz im PDF Dokument

Skim: Icon der verankerten Notiz im PDF Dokument

Notizen ohne Anker werden wie in der Vorschau auch in einem kleinen Notizkasten – der später gelb hinterlegt wird – in das Dokument geschrieben.

Skim: Erstellen einer einfachen Notiz

Neben den Notizen hat man mit Skim auch die Möglichkeit, Markierungen (Vierecke und Ellipsen) im PDF anzubringen sowie, den Text mit Markup zu versehen:

Skim: Markierungen im Dokumenter=“1“ height=“166“ hspace=“2“ vspace=“2“ width=“500“/>

Skim: Unterstreichungen

Skim: Textmarkierungen

Skim: Textstreichung

Ein durchdachter Exportdialog ermöglicht die Abspeicherung des gesamten PDFs, mit und ohne Notizen oder auch ausschließlich der Skim-Notizen, die bei mir nach dem Abspeichern automatisch mit TextMate geöffnet werden, aber leider Buchstabensalat ausgeben.

Skim: So sah der Notizexport in TextMate aus

Ich gehe davon aus dass Skim für die Notizen ein eigenes Dateiformat nutzt, welches auch vom Programm selbst ohne Probleme gelesen und geschrieben wird.

Neben dem Exportdialog hat man auch die Möglichkeit (einseitige) Snapshots vom Dokument zu machen und diese einzeln abzuspeichern.

Sehr komfortabel – insbesondere bei größeren Dokumenten – empfinde ich die Möglichkeit, Bookmarks im PDF anzulegen, welche dann im Bookmarkmenu angezeigt werden und angesteuert werden können (vergleichbar etwa mit Textmarkern in TextWrangler).

Skim: Bookmarkmenu

Sinn und Nutzen des „reading bar„sind mir leider bisher verschlossen, evtl. entdeckt ja noch jemand die von mir übersehene Funktionalität. Wahrscheinlich bin ich einfach zu papieraffin um längere Texte am Bildschirm zu lesen.

Besonders positiv fallen mir nach diesen ersten Testversuchen die Stabilität und das flotte Look & Feel von Skim auf, obgleich das Programm erst in dieser frühen Entwicklungsphase steckt. Es ist bereits jetzt schon zur Bearbeitung von PDFs zu gebrauchen und bringt viele nützliche Zusatzfunktionen mit.

Es ist allerdings, soweit ich sehen kann, keine Software zur Verwaltung oder Archivierung von PDFs sondern eher auf die Bearbeitung, das Lesen und Präsentieren von Dokumenten zugeschnitten.

Insbesondere der Präsentations‑ und Full Screen-Modus scheinen mir bspw. für Seminare oder den Einsatz der LaTeX-Beamer-Klasse von praktischer Bedeutung zu sein.

Für die Tastaturliebhaber unter uns (TextMate-Anhänger *hust* ;) ) sei erwähnt, dass fast alle Befehle und Bearbeitungsmöglichkeiten in Skim mit Shortcuts versehen sind und so auch über die Tastatur genutzt werden können.

Einziges Manko, welches ich nennen möchte, ist die Notizenverwaltung, die offenbar nicht in ein offenes Format als Text oder RTF (html, xml, was auch immer) exportieren kann. Allerdings scheint mir diese Möglichkeit noch lange nicht verloren, da ich behaupten möchte, dass Skim alles Potential hat, sich zum Schweizer Taschenmesser für PDFs im Heim‑ und klein-Office-Bereich zu entwickeln.

Mir gefällt Skim ausnehmend gut und wird nach der Testphase auch nicht von der Festplatte verschwinden, was bei einer Programmgröße von 2 MB auch nicht weh tut. :)

Ähnliche Artikel:

Die Kommentare sind geschlossen.